Willkommen im Erzgebirgskreis

Kommunaltag in der Gemeinde Stützengrün

Auch in diesem Jahr führt Landrat Frank Vogel mehrere Kommunaltage durch. An diesen Tagen bereist er mit einer Delegation aus der Landkreisverwaltung und der Wirtschaftsförderung Erzgebirge eine Kommune im Erzgebirgskreis. Einen Tag lang nimmt sich der Landrat Zeit, um mit kommunalen Vertretern ins Gespräch zu kommen sowie Unternehmen vor Ort zu besuchen.

„Bereits in meiner ersten Amtszeit habe ich mehr als 60 Kommunaltage durchgeführt. So intensiv hat man sonst nicht die Zeit, sich mit Themen einer Gemeinde auseinanderzusetzen“, sagt Landrat Frank Vogel.

Der erste Kommunaltag 2017 fand am 03. April in der Opens external link in new windowGemeinde Stützengrün statt, eine der westlichsten Gemeinden im  Erzgebirgskreis mit der Grenze zum benachbarten Vogtlandkreis. Bürgermeister Volkmar Viehweg empfing den Landrat sowie auch Rico Ott, Referatsleiter Kommunalaufsicht, und Matthias Lißke, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Erzgebirge, in seinem Dienstzimmer. Anwesend waren auch Vertreter aus Hauptamt, Kämmerei und Bauamt der Gemeinde Stützengrün.

Bürgermeister Volkmar Viehweg stellte seine Gemeinde – bestehend aus den drei Ortsteilen Stützengrün, Hundshübel und Lichtenau - umfassend vor. Ende 2016 zählte Stützengrün 3328 Einwohner. „Der demografische Trend zeigt deutlich nach unten, jedoch haben wir auch viele Anfragen junger Leute, die gern bei uns bauen wollen“, erklärt Bürgermeister Viehweg. „Uns fehlt es aber an Flächen für attraktiven Wohnraum. Da sind wir in Gesprächen.“

Im Oktober 2014 hat Volkmar Viehweg die Amtsgeschäfte in Stützengrün übernommen. „In Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Bürgerinnen und Bürgern ist ein Strategiepapier mit mehreren Handlungsfeldern entstanden. Diese werden nach und nach abgearbeitet“, so der Bürgermeister. Die sogenannten Handlungsfelder lauten: Wirtschaft und Arbeit, Familie und Soziales, Gemeindeentwicklung/Tourismus, Bildung, Kultur und Sport, Perspektive der Gemeindeverwaltung.

Mit großer Freude verkündete der Bürgermeister seinen Gästen: „Eine Hauptkritikpunkt war, dass es keine eigene Einkaufsmöglichkeit in Stützengrün gibt. Jetzt stehen wir mit einem Discounter kurz vor dem Abschluss. 2018 soll Eröffnung sein.“ Eine wichtige Hürde sei jedoch noch zu meistern, so Volkmar Viehweg. Die Raumplanungsbehörden müssen für das Vorhaben noch ihre Zustimmung geben. „Wir hoffen auf eine Einigung im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger.“

In diesem Jahr sind in der Kommune Investitionen in Höhe von 1,2 Mio. Euro geplant, davon zirka 900.000 Euro mit Fördermitteln. „Ein neues Feuerwehr-Depot für die Ortswehr in Stützengrün ist zwingend erforderlich. Das derzeitige ist als ruinös zu bezeichnen“, so Viehweg. Auch das Thema betreutes Wohnen wird vorangetrieben, denn Umfragen haben gezeigt, dass viele ältere Leute im Heimatort bleiben wollen. „Dazu ist es jedoch erforderlich, Anpassungen in den Bebauungsplänen vorzunehmen. Auch für gewerbliche Flächen ist Handlungsbedarf angezeigt, denn sowohl ortsansässige als auch externe Unternehmen haben Erweiterungspläne signalisiert.“

In Sachen Tourismus will der Bürgermeister auf das Thema Bürsten und Pinsel setzen. „Wir sind das Land der Bürsten- und Pinsel-Macher. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, welches wir noch mehr nutzen sollten.“

Landrat Frank Vogel lobte die Herangehensweise des Bürgermeisters, die Bürger und den Rat mitzunehmen und aktiv einzubinden, sowie seinen Weitblick in die Zukunft. Nach dem zweistündigen Austausch standen mehrere Firmenbesuche auf dem Programm. Volkmar Viehweg: „Ich möchte Ihnen Unternehmen zeigen, wo etwas passiert bzw. wo gerade etwas entsteht.“

Erste Station war die Firma Pitzi-Schuhe im Stützengrüner Ortsteil Hundshübel. Bereits seit 1923 werden dort Schuhe hergestellt. Geschäftsführer Kai Schürer berichtete, dass sein Vater Jürgen Schürer die Fima 1992 mit damals 17 Mitarbeitern übernommen hat. Seit 1994 führt auch Kai Schürer die Geschäfte. Sein Vater zog sich 2009 aus der Geschäftsführung zurück. „Seit drei Jahren geht es steil bergauf“, berichtet Schürer. Inzwischen werden 60 Mitarbeiter bei Pitzi-Schuhe in Hundshübel beschäftigt. Er beklagt jedoch, dass das Wissen über die Schuhproduktion immer mehr verloren geht, da es den Ausbildungsberuf Schuhfacharbeiter nicht mehr gebe. „Dadurch haben wir viele Quereinsteiger bei uns. Inzwischen müssen wir auch Aufträge ablehnen, da wir nicht die Mitarbeiter bzw. den Platz haben.“ Aktuell laufen Planungen für eine neue Produktionshalle und ein neues Lager in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes. 

Ebenfalls im Ortsteil Hundshübel befindet sich seit 1945 das Unternehmen Mühle/Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG. Produziert werden am Standort Rasierpinsel, Rasierer, Rasiersets und Accessoires. „Ein Teil sind hochpreisige Premiumartikel der Marke Mühle, die wir in die ganze Welt liefern“, sagt Geschäftsführer Andreas Müller. „Da unsere Versandabteilung aus allen Nähten geplatzt ist, haben wir kürzlich eine neue 600 Quadratmeter große Halle errichtet.“ Aktuell sind 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Landrat Frank Vogel betonte, dass dem Handwerk die Wertschätzung entgegengebracht werden muss, die es zweifelsohne verdiene. Die Firmenchefs Andreas und Christian Müller merkten an: „Gern würden wir auch Bürsten- und Pinselmacher ausbilden, aber die einzige Berufsschule dafür ist in Ansbach.“ Mehr als 60 Prozent der Waren gehen in den Export. Das Kernprodukt, die Rasierpinsel, werden mit Dachshaar bzw. mit Synthetikhaar hergestellt. „Mittelfristig wollen wir 80 Prozent mit Synthetikhaar fertigen. Der Dachshaarpinsel wird ein Luxusprodukt bleiben“, so Christian Müller. In einer extra eingerichteten Manufaktur kann jeder bestaunen, wie ein Rasierpinsel aufwendig per Hand hergestellt wird und ein kleines Museum gibt Einblicke in die Geschichte der Rasur.

Bürgermeister Volkmar Viehweg zeigte seinen Gästen auch den Platz der Generationen Hundshübel, welcher das neue Ortszentrum von Hundshübel darstellt. Station wurde auch an der Sportanlage im Ortsteil Hundshübel gemacht. In Stützengrün existiert ebenfalls eine solche Anlage. Beide haben enormen Investitionsbedarf im Bereich der Umkleiden und sanitären Anlagen. Auch die Sporthalle in Hundshübel ist ein Sorgenkind der Kommune. In deren unmittelbarer Nähe befindet sich ein Areal, auf dem die Gemeinde mögliche Vorhaben zur Wohnbebauung plant. Weitere Stopps zur Vor-Ort-Besichtigung waren das Gewerbegebiet Stützengrün, das Feuerwehr-Depot und das Freibad. „Die Badesaison muss dieses Jahr wegen der Beseitigung von Hochwasserschäden leider ausfallen“, erklärt der Bürgermeister. „Eine Sanierung würde zwei bis fünf Mio. Euro kosten. Ob der Freibadstatus erhalten bleibt oder es eine Badestelle wird, muss noch abschließend beraten werden.“

Der dritte Firmenbesuch fand bei der MK Drucklufttechnik GmbH statt. Geschäftsführer Matthias Kuhnert zeigte sein Unternehmen, welches er 1990 als Handelsvertretung begonnen hatte. Inzwischen liegt die Arbeit schwerpunktmäßig in den Bereichen Befestigungstechnik, Druckluftanlagen, eigener Internetshop und Sondermaschinenbau. „Wir wachsen stabil“, berichtet der Geschäftsführer. Probleme sieht er beim Thema Internetgeschwindigkeit. „Da stoßen wir bereits jetzt an unsere Grenzen.“ Bürgermeister Volkmar Viehweg ergänzte, dass an einer zeitnahen Lösung der Problematik gearbeitet werde. Die Firma MK Drucklufttechnik lässt gerade einen Erweiterungsbau errichten. „Uns fehlt einfach der Platz, da mussten wir handeln“, so Matthias Kuhnert. In Sachen Nachfolge hat der Firmenchef vorgesorgt. „Mein Sohn André wird das Geschäft übernehmen.“ Beim Thema Fachkräftemangel verrät der Chef sein Credo: „Das Betriebsklima und die Entlohnung müssen passen. Denn gute Leute finden und halten ist extrem wichtig.“

Letzte Station des Kommunaltages war das Gasthaus Stollmühle. Die Jungunternehmer Linda Fröhlich und Hendrik Wurst führen nach mehrjährigem Auslandsaufenthalt die Stollmühle in 6. Generation weiter und interpretieren die erzgebirgische Küche neu. Nach Investitionen in Gastraum und Küche sollen in Kürze auch Pensionszimmer entsprechend heutiger Qualitätsstandards modernisiert werden.

Landrat Frank Vogel dankte Bürgermeister Volkmar Viehweg für den gut durchorganisierten Tag. „Das war ein gelungener Auftakt für die Kommunaltage 2017. Dieser Tag hat Maßstäbe gesetzt“, so der Landrat. „Im direkten Gespräch zwischen Vertretern der Kommune und mit Unternehmern lernt man viel lokales dazu.“ Auch der Bürgermeister zog ein positives Resümee: „Es gibt viele herausfordernde Dinge, die es zu bewältigen gibt. Wichtig ist mir, bei Entscheidungen immer die Gemeinderäte und die Bevölkerung mitzunehmen.“ Bürgermeister Volkmar Viehweg ergänzt: „Möglich ist dies nur, wenn man eine gute Mannschaft hinter sich weiß und die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt klappt.“

Der nächste Kommunaltag findet in Stollberg statt.

 

AB