Willkommen im Erzgebirgskreis

Kommunaltag in Stollberg

Zum zweiten Kommunaltag in diesem Jahr reiste Landrat Frank Vogel am 25. April 2017 nach Opens external link in new windowStollberg. Ziel ist, jeder Kommune einen Tag zu widmen und vor Ort direkt mit Vertretern aus Stadtverwaltung und Wirtschaft ins Gespräch zu kommen. Die einzelnen Stationen werden vorab von der Stadt bzw. Gemeinde koordiniert. „Vorgaben gibt es dazu nicht. Jede Kommune hat freie Hand um positive Entwicklungen aufzuzeigen und auf Probleme hinzuweisen“, so Landrat Frank Vogel. Am Kommunaltag in Stollberg nahm aus der Landkreisverwaltung auch Rico Ott, Referatsleiter Kommunalaufsicht, und Jan Kammerl von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH teil.

Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt empfing seine Gäste bei der Steinmetzwerkstatt Scheunert GmbH. „Als Ziel habe ich mir gesetzt erst das traditionelle Handwerk zu zeigen, danach einen Abstecher in die Zukunft zu machen und Einblicke in die normale Industrie zu geben. Da Stollberg ein starker Wirtschaftsstandort ist, wird dadurch die Bandbreit sehr deutlich.“ Die Steinmetzwerkstatt Scheunert gibt es bereits seit 1904 in Stollberg. 1996 wurde der neue Standort im Gewerbegebiet an der Ringstraße eröffnet. Die Geschäftsführer Friedhold und Sebastian Scheunert gaben in einer Unternehmenspräsentation einen Abriss der Firmengeschichte und wiesen auf Objekte hin, die durch ihre Firma realisiert wurden. „Die Restaurierung ist unser Hauptgeschäft. Beispielsweise waren wir mit am Schloss Augustusburg vertreten, am Carl-von-Bach-Gymnasium Stollberg oder auch an der Festung Königsstein“, so Sebastian Scheunert. „Tätig sind wir aber auch in der Restaurierung von kleinen privaten Bürger- oder Bauernhäusern.“ Außerdem hat sich die Firma auf die individuelle Grabmalgestaltung spezialisiert. Probleme sieht Geschäftsführer Friedhold Scheunert in der Gewinnung von Auszubildenden. „Bisher haben wir über 30 Lehrlinge ausgebildet, viele sind geblieben. Jedoch wird es immer schwieriger Nachwuchs zu finden.“ Aktuell zählt die Steinmetzwerkstatt Scheunert GmbH rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Landrat Vogel merkte an, dass auch an Gymnasien stärker für die Handwerksberufe geworben werden sollte. Zu bedenken an die Politik merkte Friedhold Scheunert an, dass die öffentliche Hand durch eine gezieltere Auftragsvergabe wetterabhängige Gewerke besser über den Winter bringen könnte. Landrat Frank Vogel zeigte sich beeindruckt von der vielfältigen Tätigkeit eines Steinmetzes und den modernen Arbeitsbedingungen in der Firma. „Wir haben ein sehr starkes Handwerk bei uns im Erzgebirge“, so Vogel.

Nächste Station war IAV GmbH Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr. Am Stollberger Standort an der Auer Straße stehen Motorenprüfstände sowie Aggregatprüfstände zur Verfügung. In der Funktionalhalle sind Werkstätten und Labore untergebracht, in denen die Motoren und Fahrzeuge vor- und nachbereitet werden. Im Mai 2013 wurde der erste Spatenstich gesetzt, Ende 2014 wurden die Bürogebäude und Werkstätten fertiggestellt. Einen weiteren Hauptstandort mit Entwicklungszentrum betreibt IAV in Chemnitz. „Inzwischen sind an beiden Standorten mehr als 870 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt“, so Dr. Andreas Singer, Plant Manager des Entwicklungszentrums. „Bei uns lassen die Automobilhersteller verschiedene Fahrzeugkomponenten prüfen und auch entwickeln. Wir wollen konventionelle Antriebstechniken intelligenter machen, gleichzeitig liegt der Fokus auf ressourcenschonende Antriebstechniken.“ Bei einem Firmenrundgang wurde die Arbeit an den Prüfständen erläutert und zukunftsweisende Forschungen zum Thema autonomes Fahren veranschaulicht.

Der letzte Firmenbesuch des Tages führte zur Forte Wärmebehandlung GmbH. Das Unternehmen mit 75 Beschäftigten ist spezialisiert auf die Wärme- und Oberflächenbehandlung metallischer Werkstoffe. Geschäftsführer Dietmar Feiler erinnerte an die Firmengründung 2003. Er kam damals aus seiner Heimat Franken nach Stollberg. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Mit vier Leuten haben wir angefangen eine neue Firma aufzubauen. Der große Vorteil in Stollberg sind die kurzen Wege zu unseren Geschäftspartnern.“ Oberbürgermeister Marcel Schmidt lobte das soziale Engagement der Firma. „Forte ist da ein Vorzeigeunternehmen in der Stadt. Es gibt Unterstützung, wo sie gebraucht wird“, so Schmidt. Landrat Frank Vogel erkundigte sich, welche Ausbildungsberufe angeboten werden. Ausgebildet werden Mechatroniker, Werkstoffprüfer und Bürokaufleute. „In jedem Azubi sehen wir einen zukünftigen Mitarbeiter. So ziehen wir unseren Nachwuchs selbst“, erklärt Dietmar Feiler. Gleichzeitig merkte er an: „Es wird immer schwieriger Leute zu bekommen. Man sucht tatsächlich länger als früher.“ Oberbürgermeister Marcel Schmidt verdeutlichte das mit den Zahlen der Arbeitsagentur: „In Stollberg haben wir 4,5 Prozent Arbeitslosigkeit – das ist quasi Vollbeschäftigung.“

Den Abschluss des Kommunaltages in Stollberg bildete der Besuch im Schlachthof. „2015 haben wir als Stadt das Objekt für knapp zwei Mio. Euro begonnen zu sanieren und umzubauen. Genutzt werden die Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen der Stadt, Diskussionsrunden, Partys für die Jugend oder man mietet sich für eine private Feier ein“, sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt. „Derzeit ist die dauerhafte Betreibung im Aufbau. Ab Herbst ist ein täglicher Barbetrieb geplant.“ Bereits über 100 Veranstaltungen wurden nach dem Umbau, der noch nicht abgeschlossen ist, durchgeführt.

In der anschließend gemeinsamen Tagesauswertung nannte Oberbürgermeister Schmidt aus seiner Sicht die dringlichsten Fragen für die Zukunft. „Für die Leute, die in Stollberg arbeiten bzw. Arbeit finden, müssen wir als Stadt ein lebenswertes Umfeld schaffen. Derzeit planen wir 120 neue Wohnungen im Umfeld von Schloss Hoheneck. Auch die Infrastruktur wird dort erweitert.“ Bei den Kita-Plätzen komme die Stadt an ihre Kapazitätsgrenze. Schmidt lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis. „Für die Gestaltung auf kommunaler Ebene haben wir einen großen Spielraum, den wir ausfüllen können“, so Schmidt. Landrat Vogel dankte dem Oberbürgermeister für den abwechslungsreichen Kommunaltag. „Es gab einen interessanten Querschnitt durch die verschiedenen Unternehmen, die in Stollberg angesiedelt sind sowie gute Gespräche.“

Der nächste Kommunaltag findet in Gelenau statt.

 

AB