30 Jahre Annaberger Land e. V.
Seit drei Jahrzehnten bringt der Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land e.V. Menschen, Kommunen und Institutionen zusammen, um den ländlichen Raum gemeinsam zu entwickeln. Dieses Jubiläum wurde am Freitag, dem 18. September 2026 im Kurhaus von Thermalbad-Wiesenbad im Rahmen einer Festveranstaltung würdig gefeiert. Die Veranstaltung bot dabei nicht nur Gelegenheit für einen Rückblick auf zahlreiche Projekte und mehr als 30 Millionen Euro Fördermittel. Sie richtete den Blick ebenso auf die Zukunft von LEADER, auf regionale Entscheidungsspielräume und die Menschen, die mit ihrem Engagement ihre Heimat gestalten.
Drei Jahrzehnte Engagement für die Region
Der Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land e. V. wurde am 28. Juni 1996 von zunächst 31 Akteuren gegründet und zählt damit zu den ältesten Vereinen der organisierten Regionalentwicklung in Sachsen. Inzwischen gehören ihm mehr als 100 Mitglieder an.
Das Wirkungsgebiet umfasst 13 Städte und Gemeinden mit 52 Ortsteilen und rund 60.000 Einwohnern. Kommunen, Vereine, Unternehmen, Institutionen und engagierte Bürger wirken gemeinsam daran mit, die Region weiterzuentwickeln.
Dabei geht es längst nicht allein um die Verwaltung von Fördermitteln. Der Verein versteht sich auch als Netzwerk für den ländlichen Raum und bringt Menschen und Partner aus den einzelnen Orten zusammen. Veranstaltungen wie der Arnsfelder Familientag, das Annaberger-Landring-Radeln oder die Sternwanderung Annaberger Land gehören inzwischen fest zum Vereinsleben.
Eine besondere Bedeutung hat jedoch die Arbeit als Lokale Aktionsgruppe (LAG) im Rahmen des europäischen Förderansatzes LEADER. Im Jahr 2023 wurde das Annaberger Land bereits zum dritten Mal als LEADER-Gebiet anerkannt.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: Bis zum Ende der Förderperiode 2022 flossen mehr als 30 Millionen Euro Fördermittel in über 450 Einzelvorhaben im Annaberger Land.
Was LEADER vor Ort möglich macht
Hinter diesen Zahlen stehen ganz konkrete Veränderungen in den Städten und Dörfern. Das Besondere dabei: LEADER ist nicht auf einen einzelnen Förderbereich beschränkt. Unterstützt werden können – abhängig von den jeweiligen Aufrufen – ganz unterschiedliche Vorhaben, die zur Entwicklungsstrategie der Region passen.
So wurde beispielsweise in Cranzahl ein ehemaliges Verwaltungsgebäude eines Sägewerkes für eine Tages- und Kurzzeitpflege umgenutzt. In Sehma wurde die Umnutzung einer Scheune zu Wohnraum unterstützt. In Crottendorf gehörten Maßnahmen an der Straßenbeleuchtung zu den geförderten Vorhaben.
Auch Freizeit, Natur und Tourismus profitieren. Beispiele sind Vorhaben rund um das Freibad Mildenau, der Bergwiesenlehrpfad Raummühle bei Jöhstadt oder die touristische Weiterentwicklung des Zschopautal-Wanderweges.
Gerade diese Bandbreite macht deutlich, was Regionalentwicklung praktisch bedeutet: Pflege und Daseinsvorsorge, Wohnen, kommunale Infrastruktur, Freizeit, Natur und Tourismus können gleichermaßen eine Rolle spielen. Je nach Förderbereich können Kommunen ebenso Projektträger sein wie Vereine, Unternehmen, Institutionen oder Privatpersonen.
Jubiläum mit Blick nach vorn
Bei der Festveranstaltung im Kurhaus stand deshalb neben dem Rückblick auch die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen solche Entwicklungen in Zukunft möglich bleiben. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der die Schirmherrschaft für das Jubiläum übernommen hatte, hob in seinem Grußwort die besondere Bedeutung des LEADER-Prinzips hervor. Dass Menschen und Akteure vor Ort mitentscheiden können, welche Projekte für ihre Region wichtig sind und wie Fördermittel eingesetzt werden, bezeichnete er als eine Stärke des Föderalismus. Denn die Herausforderungen sind nicht überall gleich. Was eine Region benötigt, wissen nach diesem Ansatz insbesondere diejenigen, die dort leben, arbeiten und Verantwortung übernehmen. Genau diese regionalen Gestaltungsmöglichkeiten spiegeln sich in der Vielfalt der Projekte des Annaberger Landes wider.
Mit Blick auf die Zeit nach 2027 machte Kretschmer deutlich, dass sich die Sächsische Staatsregierung weiterhin für eine starke Förderung des ländlichen Raumes einsetzen werde. Hintergrund sind die laufenden Diskussionen über die künftige Ausgestaltung der europäischen Förderpolitik. Entscheidend sei, dass auch künftig ausreichend Mittel für die Entwicklung der Regionen zur Verfügung stehen. Sollten diese auf europäischer Ebene nicht mehr in bisheriger Form bereitgestellt werden, müssten andere Möglichkeiten gefunden werden, um eine entsprechende Unterstützung sicherzustellen. Kretschmer verwies zugleich darauf, dass dieses Anliegen nicht nur von Sachsen getragen werde. Auch die anderen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten stünden hinter der Förderung, dazu gebe es intensive Gespräche mit der Bundesregierung. Neben der finanziellen Ausstattung nahm er einen weiteren Punkt in den Blick: den Abbau von Bürokratie. Gerade Ehrenamtliche und engagierte Menschen vor Ort müssten entlastet werden. Wer sich für seinen Ort einsetzt und ein Projekt verwirklichen möchte, sollte möglichst viel Kraft in die eigentliche Arbeit und nicht in unnötig komplizierte Verfahren investieren müssen.
Auch die Beigeordnete des Erzgebirgskreises, Anke Hamann, die in Vertretung von Landrat Rico Anton an der Festveranstaltung teilnahm, würdigte in ihrem Grußwort, was die Akteure im Annaberger Land in den vergangenen drei Jahrzehnten auf die Beine gestellt haben. Zugleich warb sie dafür, dass das Erzgebirge selbstbewusster mit seinen Stärken auftreten sollte. Der ländliche Raum solle nicht vor allem darüber definiert werden, was im Vergleich zu einer Großstadt vermeintlich fehle. Vielmehr gelte es, stärker sichtbar zu machen, was das Leben auf dem Land auszeichnet: Natur und Landschaft, gewachsene Gemeinschaften und die Verbundenheit zwischen den Menschen. Zwar seien manche räumlichen Entfernungen größer, gleichzeitig gebe es häufig eine besondere persönliche und gesellschaftliche Nähe.
13 Kommunen in einem Wimmelbild
Eine weitere Überraschung der Festveranstaltung war die Enthüllung eines eigens für die Region gestalteten Wimmelbildes. Darin finden sich alle 13 Mitgliedskommunen des Annaberger Landes mit regionaltypischen Orten, Motiven und Besonderheiten wieder. Damit soll das Bild künftig auch zur Identifikation mit der gemeinsamen LEADER-Region beitragen und auf anschauliche Weise zeigen, wie vielfältig das Annaberger Land ist. Gleichzeitig richtet sich das Wimmelbild an die jüngere Generation. Es soll unter anderem als Ausmalbild für Kinder eingesetzt werden. Auf diese Weise können sie spielerisch Orte und typische Besonderheiten kennenlernen und sich mit ihrer Heimat und den einzelnen Kommunen der Region beschäftigen.
Hintergrund: LEADER – Entscheidungen dort treffen, wo die Menschen leben
LEADER ist ein Förderansatz zur Entwicklung ländlicher Räume. Die Bezeichnung geht auf den französischen Ausdruck „Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale“ zurück und steht für die Verbindung von Maßnahmen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. Entscheidend ist jedoch weniger der Name als die Methode. Kern von LEADER ist der sogenannte Bottom-up-Ansatz – also die Entwicklung „von unten nach oben“. Anders als bei Förderprogrammen, bei denen eine zentrale Stelle konkrete Fördergegenstände für alle Regionen vorgibt, entwickeln die LEADER-Gebiete eigene Entwicklungsstrategien. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort werden Stärken, Schwächen und Ziele betrachtet. Anschließend wird auf regionaler Ebene ausgewählt, welche Vorhaben zur jeweiligen Strategie passen. Der Freistaat nennt ausdrücklich „keine zentralen Vorgaben für konkrete Vorhaben“ als ein Merkmal dieses Ansatzes. Darin lässt sich auch ein grundlegender Vorteil dezentraler und föderaler Strukturen erkennen: Nicht jede Entscheidung muss für ein ganzes Land einheitlich getroffen werden. Regionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsentwicklung, Infrastruktur, Landschaft und gesellschaftlichen Bedürfnisse. Werden Entscheidungen näher an die regionale Ebene verlagert, kann dieses Wissen vor Ort unmittelbar einfließen.
Das unterscheidet föderale beziehungsweise dezentrale Strukturen von stärker zentralistisch organisierten Systemen, in denen mehr Entscheidungen auf einer übergeordneten staatlichen Ebene gebündelt werden. LEADER zeigt an konkreten Projekten, welchen Vorteil regionale Gestaltungsspielräume haben können: Was in Cranzahl gebraucht wird, muss nicht dasselbe sein wie in Sehma, Crottendorf oder Jöhstadt und dennoch können all diese Vorhaben Teil einer gemeinsamen Strategie für die Entwicklung des ländlichen Raumes sein. In Sachsen gibt es aktuell 30 LEADER-Gebiete. Für die Förderperiode 2023 bis 2027 stehen insgesamt 239,8 Millionen Euro zur Verfügung. Jedes dieser Gebiete verfügt über eine eigene LEADER-Entwicklungsstrategie und damit über eigene Schwerpunkte für seine regionale Entwicklung.
Das 30-jährige Bestehen des Annaberger Land e. V. zeigt damit auch, was hinter diesem zunächst abstrakt klingenden Förderprinzip steht: Menschen entwickeln vor Ort Ideen, übernehmen Verantwortung und gestalten ihre Heimat selbst mit. Fördermittel schaffen dafür Möglichkeiten, entscheidend sind jedoch diejenigen, die daraus konkrete Projekte entstehen lassen. Das Jubiläum war deshalb Rückblick und Ausblick zugleich. Nach drei Jahrzehnten erfolgreicher Regionalentwicklung geht es nun darum, regionale Gestaltungsspielräume, verlässliche Fördermöglichkeiten und das Engagement der Menschen vor Ort auch für die Zukunft zu erhalten.
Weitere Informationen zum Annaberger Land e. V. finden Sie hier: Start - Verein Annaberger Land
Annaberger Land e. V. / Fachstelle Ehrenamt v. 18.09.2026 I EG

