Ehrenamt des Monats: „Alle Jahre wieder – Märchenumzug eröffnet Adventszeit in Eibenstock“
Wenn sich am Samstag vor dem ersten Advent die Straßen der Bergstadt in eine zauberhafte Märchenwelt verwandeln, dann hat das weniger etwas mit Magie zu tun – umso mehr mit Herzblut, Traditionsbewusstsein und Engagement der gesamten Bürgerschaft. Die Fäden in der Hand halten neun Männer und Frauen, die den Märchenumzug Jahr für Jahr mit viel Fleiß und Hingabe organisieren und vorbereiten.
Das Thema Märchen prägt das Stadtbild von Eibenstock seit jeher. Entlang des beliebten Themenwanderwegs begegnen Besuchern bekannte Figuren wie Frau Holle, Dornröschen oder Schneeweißchen und Rosenrot. Einmal im Jahr werden die überlieferten Geschichten beim traditionellen Märchenumzug erlebbar und damit für Gäste und Einheimische gleichermaßen die Adventszeit eingeläutet. Ursprünglich als Märchenweihnacht durchgeführt, lockt das heutige Erfolgsformat Jahr für Jahr eine vierstellige Zahl an Zuschauern auf die Straßen des staatlich anerkannten Erholungsortes. Viele ehemalige Eibenstocker kommen anlässlich des Märchenumzugs zurück in ihre alte Heimat.
Fast 200 Mitwirkende setzen auf Pritschenfahrzeugen, historischen Pferdegespannen oder per pedes 25 bis 30 bekannte Märchen in Szene. Ob „Frau Holle“, „Der Wolf und die sieben Geislein“ oder „Schneeweißchen und Rosenrot“ – mit viel Fantasie und Liebe zum Detail erweckt jede Gruppe ihr Märchen zum Leben. Eine der ältesten Teilnehmerinnen stellt gemeinsam mit einer Grundschulklasse aus Zschorlau traditionell den „Rattenfänger von Hameln“ nach, während sie die dazu passenden Melodien auf der Flöte spielt.
Organisiert wird der Märchenumzug von einem neunköpfigen Team aus engagierten Frauen und Männern. Sie schreiben die Märchen aus, um Familien, Freundeskreise, Vereine oder Schulklassen zu finden, die ein Stück mit ausgestalten. Sie kümmern sich um Kostüme und Requisiten sowie um den gesamten Ablauf. Abhängig von Kostümfundus, der Rollenverteilung und den Wünschen der Darsteller ist die Koordination der einzelnen Gruppen die wohl größte Herausforderung. Besonders in den Wochen vor dem Umzug wird in Werkstätten, Garagen und heimischen Stuben unermüdlich genäht, angerichtet, gewerkelt und dekoriert.
Seit zwölf Jahren mit dabei ist Andreas Tautenhahn. Gemeinsam mit Martin Pawlowsky und Nico Hager präpariert er die Fahrzeuge. Geht der Sommer zur Neige, steht er mindestens einmal pro Woche in der Werkstatt um neue Kulissen zu bauen oder Requisiten zu reparieren. So bekam die „Prinzessin auf der Erbse“ ein neues Bett und der „Kaiser“ (neben neuen Kleidern) einen standesgemäßen Thron.
„Genau diese Hingabe und die Liebe zum Detail, macht unseren Märchenumzug zu etwas Einzigartigem“, freut sich Stadtoberhaupt Uwe Staab. „Kunstvoll genähte Kostüme, selbstgebaute Kulissen und funkelnde Dekorationen faszinieren Groß und Klein jedes Jahrs aufs Neue. Ich bin allen die daran mitwirken, außerordentlich dankbar, dass sie die Traditionen in unserer Stadt um eine so außergewöhnliche touristische Attraktion bereichern.“
Die Begeisterung trägt weit über Eibenstock hinaus: Mitwirkende kommen beispielweise aus den Nachbarorten Sosa, Bockau und Zschorlau. Menschen mit Behinderung aus dem Wohnpflegeheim Eva-Maria-Winkler beteiligen sich seit Jahren am Umzug. Für die diesjährige Auflage haben sich sogar Erzieherinnen angemeldet, die zuletzt im Kindesalter mitgelaufen sind. Als Erwachsene möchten sie noch einmal das Gefühl haben, Teil eines Märchens zu sein und sich so ihre Kindheitserinnerungen zurückholen.
Landrat Rico Anton: „Mich beeindruckt vor allem, dass der Märchenumzug aus weiten Teilen der Bürgerschaft heraus getragen wird – Privatpersonen, Vereine, Schulen und Unternehmen beteiligen sich, unterstützen diese wunderbare Tradition und geben ihrer Stadt etwas zurück. Das ist bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne und auch ein wertvoller Anlass, um Generationen wieder näher zusammenzubringen.“
Auch das Organisationsteam ist dafür ausgesprochen dankbar, dass Unternehmen kostenfrei Fahrzeuge oder Materialien zur Verfügung stellen und auch die Stadtverwaltung sowie der Bauhof das Projekt tatkräftig unterstützen. Ihr Dank gilt allen Mitwirkenden und Partnern, die Jahr für Jahr dazu beitragen, dass sich große und kleine Besucher gleichermaßen verzaubern lassen.
Für ihr umfassendes Engagement für die Kultur sowie die Heimat- und Brauchtumspflege, wurde das Organisationsteam des Märchenumzug Eibenstock mit dem „Ehrenamt des Monats Oktober“ ausgezeichnet. Sie erhielten von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.
Wer den Märchenumzug selbst erleben möchte, sollte sich den Samstag vor dem ersten Advent vormerken – wenn es in Eibenstock wieder heißt: „Es war einmal... und ist doch jedes Jahr aufs Neue wunderschön.“ Die Besucher dürfen sich überraschen lassen, welches neue Märchen in diesem Jahr seine Premiere feiert.

