Ehrenamt des Monats: „Als Trainer bist Du Allrounder“

19. März 2026

Tino Friedrich vom VfB Zöblitz ausgezeichnet

Als Spieler schnürte Tino Friedrich 488 mal die Fußballschuhe für den VfB Zöblitz – seine Laufbahn führte ihn bis in die Bezirksliga. Personalsorgen in der Herrenmannschaft in der vergangenen Saison verhalfen ihm zu einem kurzen Comeback im „zarten Alter“ von 49 Jahren und er absolvierte noch einmal vier Partien als Spieler-Trainer. Ausschlaggebend für die Auszeichnung mit dem Ehrenamt des Monats waren jedoch seine Verdienste, fernab seiner aktiven Zeit.

 

Für den gebürtigen Zöblitzer hat die Entwicklung des gesamten Vereins einen hohen Stellenwert. Erfolg sieht er eher im Gesamtkontext, anstatt ihn nur an sportlichen Ergebnissen zu bemessen. Eine kleine Anekdote als 2023 das VfB-Stadion modernisiert wurde, zeigt dies eindrucksvoll. Aufgrund einiger Absagen von Spielern konnte das Training nicht in den zahlenmäßig geplanten Übungs- und Spielformen stattfinden. Tino Friedrich improvisierte und verband das Nützliche mit dem Notwendigen. Nach einer intensiven Laufeinheit ließ er seine Spieler mit Schaufeln und Schubkarren die Erde und die Aussaat für den neuen Rasen verteilen.

Seit mittlerweile 43 Jahren gibt er auf und neben dem Platz alles für seinen Verein. 2010 beendete er seine Laufbahn als aktiver Spieler und engagierte sich fortan für die Nachwuchsförderung. Gemeinsam mit Andreas Börner arbeitete er erfolgreich an der Entwicklung junger Spielerinnen und Spieler. Tino Friedrich absolvierte die mehrmonatige Ausbildung zum C-Lizenz-Trainer und begleitete seine Schützlinge von der E- bis zur A-Jugend. Noch heute sind Spieler, die als Jugendliche bei ihm das Einmaleins des Fußballs erlernt haben, bei den Herren des VfB Zöblitz aktiv.

„Tino Friedrich hat in seinen sechzehn Jahren als Trainer im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich, die sportliche Entwicklung des Vereins entscheidend geprägt. Er steht heute noch mehrmals pro Woche bei der 1. Mannschaft an der Seitenlinie“, lobt Rico Anton das Engagement des 50-jährigen. „Dass er darüber hinaus als Linienrichter bei Nachwuchsspielen aushilft und sich auch in seiner Freizeit von den Zuschauerrängen aus einen Eindruck zur Entwicklung junger Spielerinnen und Spieler verschafft, sind Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit dem Verein.“

Fragt man langjährige Weggefährten des ehemaligen Spielers und heutigen Trainers, zeugen die Antworten unisono von höchster Wertschätzung: Als zuverlässig, humorvoll, ambitioniert, sachlich, vorbildhaft, empathisch und glaubwürdig wird er beschrieben.

Tino Friedrich selbst steht nicht so gern im Mittelpunkt. Für uns macht er ein Ausnahme und verrät im Interview, wie er mit so viel Lob umgeht und was es ihm bedeutet.

 

Sie haben 488 Spiele für den VfB Zöblitz absolviert. Hätten Sie gern die 500 vollgemacht?

Tino Friedrich: „Auf die Zahl kam es mir nie an. Am Ende meiner aktiven Zeit war ich stolz und zugleich dankbar, dass ich so viele Partien für den Verein bestreiten durfte und von größeren Verletzungen verschont geblieben bin.“

 

Für einen Verein gibt es selten nur Höhen. Was bewegt Sie dazu, sich auch in schwierigen Zeiten weiter zu engagieren?

Tino Friedrich: „Egal ob früher als Spieler oder heute als Trainer – mir ist es immer wichtig gewesen, dem Verein etwas zurückzugeben, gerade dann, wenn es auch mal schwierig wird. Es ist entscheidend die Balance zu finden: Auf der einen Seite ist es wichtig, im Sinne des Vereins zu handeln und persönliche Interessen ein Stück weit hinten anzustellen. Andererseits muss auch jeder seine Meinung sagen und einbringen dürfen. Meiner Erfahrung nach ist genau dieses Ringen um einen gemeinsamen Konsens eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich ein Verein weiterentwickelt.“

 

Es heißt Sie würden Ihre Vorbildfunktion sehr ernst nehmen. Sie rauchen nicht, genehmigen sich nur selten ein Bier und machen die Übungen, die Sie von den Spielern sehen wollen, auch gern mit?

Tino Friedrich: „Ich möchte als Trainer von anderen nichts verlangen, was ich nicht vormachen kann. Zudem hilft es mir ein Gefühl für die Übungen und Spielformen zu bekommen und mich in die Lage der Spieler zu versetzen – sprich wie kommen sie bei den Spielern an und erreiche ich damit mein Trainingsziel.“

 

Was braucht es noch, um andere Menschen mit auf einen gemeinsamen Weg zu nehmen?

Tino Friedrich: „Die Soziale Kompetenz hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Neben dem Fußball spielen zwischenmenschliche Belange und die persönliche Situation des Einzelnen eine wichtige Rolle. Gesundheit, Familie und Beruf haben Vorrang – wenn in diesen Lebensbereichen etwas gerade nicht so funktioniert, wirkt sich das auch immer auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus. Als Trainer bist du Allrounder und es ist deine Aufgabe, auch solche Probleme zu erkennen.“

 

Langjährige Wegbegleiter loben genau dieses zwischenmenschliches Gespür und Ihre Empathie. Wie gehen Sie mit so viel Lob um?

Tino Friedrich: „Um ehrlich zu sein, ist mir das Lob gar nicht so recht. Wichtig ist mir, wie es der Mannschaft geht, sowohl sportlich als auch menschlich. Geht es ihr gut, dann ist das Lob genug. Zudem gibt es auch viele andere ehrenamtlich Engagierte im Verein, die die Anerkennung und die Auszeichnung genauso verdient hätten.“

 

Was ist für Sie die größere Herausforderung? Die Männer zu trainieren oder als Nachwuchstrainer Verantwortung zu übernehmen.

Tino Friedrich: „Für mich stellt das Training und der Spielbetrieb mit den Männern die größere Herausforderung dar. Kinder und Jugendliche fällt das Lernen leichter und sie sind fokussierter. Auch weil sie noch nicht in der Verantwortung stehen wie Erwachsene, wenn es darum geht Beruf, Familie und Fußball unter einen Hut zu bekommen. Ich habe Hochachtung davor, wie die Jungs in unserer Herrenmannschaft das hinbekommen.“

 

Braucht es Momente, in denen Sie vom Fußball abschalten können?

Tino Friedrich: „Wenn ich keine Verantwortung trage, kann ich tatsächlich auch beim Fußball ganz gut abschalten, indem ich mir Spiele unserer Mannschaften anschaue oder mit meinem Sohn das ein oder andere Stadion besuche.“

 

Für sein langjähriges und umfassendes Engagement zur Förderung des Fußballsports Im Erwachsenen- und Nachwuchsbereich wurde Tino Friedrich mit dem „Ehrenamt des Monats Februar 2026“ ausgezeichnet. Er erhielt von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

 

 

Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu

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