Ehrenamt des Monats: Lernen, trainieren, zusammenhalten

25. Februar 2026
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Früh übt sich wer Bergretter werden will

Ob auf Wanderwegen, Skipisten, in Loipen, ob mitten im Wald oder am Fels – die Bergwachten leisten dort Hilfe, wo der straßengebundene Rettungsdienst an Grenzen stößt. Die Fähigkeiten, die es dazu braucht, sind vielschichtig. Im Rahmen der Nachwuchsarbeit der Jugendbergwachten erwerben Kinder und Jugendliche frühzeitig erste Grundkenntnisse.

 

Die ehrenamtlich Engagierten sind Teil des Rettungssystems. Bei 457 Einsätzen waren die Bergretterinnen und Bergretter im Erzgebirgskreis allein im Jahr 2025 gefordert. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem Rettungs- und Sanitätsdienst in Wintersport-, Kletter- oder weit abgelegenen Gebieten, die Vermisstensuche sowie die Unterstützung bei Suchmaßnahmen. Sie wirken bei Bedarf im Katastrophenschutz mit und erfüllen auch Präventions- und Naturschutzaufgaben.

Der Auftrag der Männer und Frauen der Bergwacht beginnt häufig erst dort, wo es schwierig wird. In schwer zugänglichem Gelände übernehmen sie die Rettung und den Transport verletzter oder hilfloser Personen. Sie nutzen dafür spezielle Rettungstechniken.  Es kommen Seil-, Trage- oder wintertaugliche Transportverfahren zum Einsatz, bis eine Übergabe an den straßengebundenen Rettungsdienst möglich ist. Der hohe Grad der Spezialisierung stellt ebenso hohe Anforderungen an die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Einsatzkräfte: Eine notfallmedizinische Ausbildung, Bergsportkompetenz und die sichere Handhabung der Technik, sind Grundvoraussetzungen für den Dienst bei der Bergwacht.

Um die Rettungskräfte von morgen kümmern sich die Ausbilderinnen und Ausbilder der Jugendbergwachten Oberwiesenthal, Carlsfeld und Johanngeorgenstadt. Bereits im Grundschulalter führen sie die Kinder spielerisch und praxisnah an Themen wie Bergrettung und Rotkreuzarbeit heran.

Landrat Rico Anton: „Der Dienst bei der Bergwacht wird im Erzgebirgskreis von ehrenamtlich Engagierten getragen – Einsätze, Trainings, Bereitschaftsdienste und kontinuierliche Fortbildung werden neben Beruf, Schule oder Ausbildung geleistet. Dass sich die verantwortlichen Ausbilderinnen und Ausbilder gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen neben diesen Aufgaben intensiv in der Nachwuchsarbeit einbringen, zeugt von einem außergewöhnlich hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein und Weitblick. Ehrenamt beginnt eben nicht irgendwann später – es beginnt dort, wo junge Menschen lernen, für andere da zu sein.“

Ina Baumheier (Oberwiesenthal), Lukas Anger (Carlsfeld) und Sandra Betz (Johanngeorgenstadt) tragen als Gruppenleitung Verantwortung für die jeweilige Jugendbergwacht. Im Interview gewähren sie einen tiefen Einblick, warum die Nachwuchsförderung als zentrale Zukunftsaufgabe einen hohen Stellenwert genießt.

 

Welche Fertigkeiten und Fähigkeiten braucht es als Bergretterin oder Bergretter?

Lukas Anger: „Wichtiger als die Frage danach, was man können muss, finde ich die Frage nach der eigenen Einstellung, mit der man eine Laufbahn bei der Bergwacht einschlägt. Wenn man die Ausbildung als Weg einer persönlichen Entwicklung versteht, den man gemeinsam mit den Ausbilderinnen und Ausbildern gehen möchte, dann schafft man es auch, die notwendigen Qualifikationen zu erlangen. Die drei wichtigsten Lernbereiche sind das sichere Bewegen im Gelände, die Grundausbildung in der Notfallmedizin und das Erlernen von Seil-, Sicherungs- und Rettungstechniken.“

Sandra Betz: „Zu den weiteren Ausbildungsinhalten gehören die Orientierung mit Karte und Kompass, die Funkausbildung, die Wetterkunde sowie die allgemeine Technik- und Gerätekunde. Der Dienst stellt zudem hohe Ansprüche an körperliche Fitness, Teamarbeit, Belastbarkeit und ruhiges Handeln in Stresssituationen.“

 

Wie viele Kinder und Jugendliche sind derzeit in den drei Jugendbergwachten aktiv und wie muss man sich die Ausbildung in der Praxis vorstellen?

Ina Baumheier: „Wir haben mal zusammengezählt: in den drei Jugendbergwachten Oberwiesenthal, Carlsfeld und Johanngeorgenstadt engagieren sich ungefähr fünfzig Kinder und Jugendliche. Ab circa sieben Jahren können sie mit der Ausbildung beginnen. Sie erlernen einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen, wie Pflaster kleben, eine Schiene anlegen oder wie sie einen Notruf absetzen. Unsere Nachwuchsretter bekommen die Grundlagen der Material- und Gerätekunde vermittelt und üben das richtige Verhalten im Gelände. Dazu gehört auch das Klettern, Ski alpin, der Skilanglauf und das Kennenlernen der entsprechenden Verhaltensregeln. Ergänzt wird die Ausbildung durch Übungen zu bestimmten Schwerpunktthemen, beispielsweise Seiltechnik. Hierfür greifen wir auf die Expertise unserer ausgebildeten Bergretterinnen und Bergretter zurück. Bei den jährlichen Wettkämpfen des Jugendrotkreuz können die Kinder und Jugendlichen zeigen, was sie können und lernen dabei auch wie wichtig die Zusammenarbeit im Team ist. Mit Bildungsangeboten zum Natur- und Umweltschutz und der Teilnahme an Müllsammelaktionen übernehmen unsere Jugendbergwachten auch gesamtgesellschaftlich Verantwortung.“

 

Warum ist es wichtig bereits im Kindesalter mit der Ausbildung zu beginnen?

Lukas Anger: „Es ist wesentlich einfacher Kindern und Jugendlichen gewisse Grundwerte zu vermitteln, als einem Erwachsenem, der aufgrund seiner Lebenserfahrung schon eine gewisse Prägung erfahren hat. Zudem ist die Bereitschaft und die Fähigkeit Neues zu erlernen bei ihnen um ein Vielfaches höher. Kinder lernen anders und leichter.“

Sandra Betz: „Außerdem haben sie eine große Affinität zu Blaulicht, Technik und Naturerlebnissen. Für die weiterführende Ausbildung ist es auch wichtig, eine gewisse Haltung zu entwickeln – es braucht das Selbstverständnis, helfen zu wollen.“

 

Wie lassen sich die Grundlagen der Bergrettung kindgerecht vermitteln?

Ina Baumheier: „Im Rettungswesen haben wir den großen Vorteil, dass wir sehr viel praktisch machen können und es somit nicht allzu schwerfällt, das Interesse und die Neugier der Jungen und Mädchen zu wecken.  Als Gruppenleitung tragen wir dafür Sorge, dass unsere Jüngsten mit Spaß und Freude die Vielseitigkeit der Arbeit der Bergwachten entdecken können. Dazu gehört es auch mal gemeinsam Schlitten zu fahren. Mit zunehmendem Alter wird das Wissen immer weiter vertieft – Kameradschaft, Verantwortung und regelmäßiges Üben gewinnen an Bedeutung.“

 

Was ist für Sie die größere Herausforderung? Selbst im Einsatz zu sein oder Kinder und Jugendliche auszubilden?

Lukas Anger: „Die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen kann manchmal in der Tat nervenaufreibender sein, als so mancher Einsatz. Aber Spaß beiseite: Ob im Bereitschaftsdienst oder bei der Ausbildung des Nachwuchs – es geht immer darum, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Egal ob für hilfsbedürftige Personen bei einer Rettung oder indem wir dafür Sorge tragen, dass es auch in Zukunft noch gut ausgebildete Bergretterinnen und Bergretter gibt.“

 

Welche Ziele verfolgt die Ausbildung und wie ist der weitere Werdegang?

Sandra Betz: „Das Ziel jeder Jugendbergwacht ist es, dass möglichst viele Jugendliche mit 16 Jahren in die Bergwacht wechseln, um dort mit der Grundausbildung zu beginnen. Diese ist anspruchsvoll – um überhaupt zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden, bedarf es mehrerer Testate. Frühestens mit vollendetem 18. Lebensjahr und nach bestandener Prüfung darf man in den Einsatz."

 

Wo liegen die Herausforderungen in der Nachwuchsförderung?

Ina Baumheier: „Das lässt sich nicht für alle Standorte gleichermaßen beantworten. Es gibt einfach Phasen, in denen es schwerfällt, überhaupt junge Menschen für die Jugendbergwacht zu begeistern, während es andernorts Wartelisten gibt. Aus meiner Erfahrung spricht es sich unter den Kindern schnell herum, wenn sie sich für ein Sache begeistern. Es braucht aber eben auch ein paar, die den Anfang machen.“

Lukas Anger: „Es gibt aber auch eine gemeinsame Herausforderung, vor der wir alle stehen: Der Schritt vom Nachwuchs hin zu den Erwachsenen ist ein relativ großer, da mit ihm auch der Beginn der Grundausbildung einhergeht. Die Durchlässigkeit von der Jugendbergwacht hin zum aktiven Bereitschaftsdienst als Bergretterin und Bergretter, dürfte gern etwas höher sein.“

 

Was nehmen die Kinder und Jugendlichen noch aus der Ausbildung mit?

Sandra Betz: „Auf jeden Fall eine gewisse körperliche Fitness. Egal ob Erste-Hilfe, Ski fahren oder Klettern – von dem was unsere Kinder und Jugendlichen frühzeitig gelernt haben, profitieren sie oftmals ein Leben lang. Es gibt auch Fälle in denen das Engagement in der Jugendbergwacht zur Berufsorientierung beigetragen hat und sich junge Menschen ganz bewusst für eine Ausbildung im Rettungsdienst entscheiden.“

 

Mit der Auszeichnung mit dem „Ehrenamt des Monats Januar 2026“ dankt der Erzgebirgskreis den ehrenamtlich Engagierten der Jugendbergwachten Oberwiesenthal, Carlsfeld und Johanngeorgenstadt, die dafür Sorge tragen, dass es auch zukünftig Menschen gibt, die sich für die Sicherheit in unserer Region einsetzen und Hilfe leisten, wenn sie gebraucht wird. Sie erhielten von der Fachstelle Ehrenamt des Landratsamtes Erzgebirgskreis eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

 

Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu

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