Ehrenamt des Monats: „Von Sucht betroffen bleibt man ein Leben lang“

22. April 2026
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Mandy Goldhammer engagiert sich in der Prävention, Gruppenarbeit und als Therapiebegleiterin

Die Selbsthilfegruppe für suchtkranke Menschen in Thalheim existiert bereits seit 1993. Vor zwei Jahren wurde das Angebot auch für Betroffene von Depressionen geöffnet. 2014 nahm Mandy Goldhammer nach ihren Therapien die Hilfe der Gruppe noch selbst in Anspruch – seit 2023 leitet sie diese. Ihren eigenen Lebensweg hat sie von einem Rapper vertonen lassen.

 

Mandy Goldhammer weiß was es bedeutet, wenn Alkoholsucht dazu führt, dass man fast alles verliert: den Führerschein, die Arbeit, den Umgang mit dem eigenen Kind, fast das eigene Leben. Seit mehr als 10 Jahren ist sie trockene Alkoholikerin und hat sich mehr als eindrucksvoll zurück ins Leben gekämpft.

Ihre ersten Schritte als ehrenamtlich Engagierte hat sie im Rahmen der Präventionsarbeit auf den Entgiftungsstationen von Kliniken gemacht – hat dort ihre eigene Geschichte erzählt, um Betroffenen Mut zu machen und gleichzeitig aufzuzeigen, wie die Selbsthilfegruppe dabei unterstützen kann. Nach und nach hat sie sich auch aktiv in die Öffentlichkeitsarbeit eingebracht und entscheidend dazu beigetragen, ein stabiles Netzwerk zu Verbänden, Therapieträgern sowie öffentlichen Stellen aufzubauen.

Nach dem Tod des langjährigen Leiters der Selbsthilfegruppe übernahm Mandy Goldhammer Verantwortung und ließ sich zur ehrenamtlichen Suchthelferin ausbilden. Anschließend absolvierte sie die Weiterbildung zur Gruppenleiterin und qualifizierte sich weiter, um auch ein Angebot für Menschen mit Depressionen zu etablieren.

Als Leiterin der Selbsthilfegruppe Sucht und Depression Thalheim ist sie vierundzwanzig-sieben für die knapp dreißig Mitglieder der Gruppe, Betroffene und deren Angehörige da. Sie erarbeitet dazu einen Jahresplan mit Schwerpunkten, organisiert wöchentliche themenbezogene Gruppentreffen und gewinnt dafür hochkarätige Fachreferenten, erfahrene Therapeuten und Seelsorgende. Die gebürtige Auerbacherin nimmt Präventivangebote an Schulen wahr, hält Kontakte zu Suchtberatungsstellen, um Betroffene in geeignete Therapien zu vermitteln und ist selbst als Therapiebegleiterin aktiv.

„Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu 2,2 Millionen Menschen alkoholabhängig – die persönlichen Folgen für die Betroffenen und Angehörigen sind gravierend. Als Gesellschaft müssen wir außerordentlich dankbar sein, dass es Menschen wie Mandy Goldhammer gibt, die sich im Ehrenamt, nach Kräften dafür einsetzt, Menschen einen Weg aus der Sucht aufzuzeigen. Für ihren Mut ihre eigene Geschichte öffentlich zu machen, um glaubhaft präventiv tätig zu sein, gebührt ihr meine tief empfundene persönliche Anerkennung,“ würdigt Landrat Rico Anton das Engagement der 51-jährigen.

Im Interview verrät uns Mandy Goldhammer was sie antreibt, sich für suchtkranke Menschen einzusetzen.

 

Von Sucht betroffen bleibt man ein Leben lang. Was ist damit gemeint?

Mandy Goldhammer: „Die Sucht und damit die Gefahr rückfällig zu werden begleitet einen immer. Eine Kontrolle über den Konsum gibt es nicht mehr, weil man bei einem Rückfall immer dort wieder anfängt, wo man aufgehört hat. Das einzige was hilft, ist konsequente Abstinenz. Man muss auch immer aufpassen, dass sich die Sucht nicht verlagert und man in andere Abhängigkeiten, zum Beispiel Spielsucht, gerät.“

 

Ihr Engagement ist auch sehr eng mit Ihrer persönlichen Geschichte verbunden. Wie kam es zu der Idee, diese von einem Rapper vertonen zu lassen?

Mandy Goldhammer: „Eigentlich wollte ich ein Buch schreiben. Um eine Biographie bekannt zu machen, muss man aber regelmäßig Autorenlesungen veranstalten. Dazu war ich zu diesem Zeitpunkt aber gesundheitlich gar nicht in der Lage. Ich bin auf den Rapper ‚Poet‘ im Internet aufmerksam geworden und habe ihn angeschrieben, ob er meine Lebensgeschichte vertonen würde. Er war von dem Projekt sofort begeistert. Ich setze den Song auch regelmäßig in der Suchtprävention ein.“

 

Was war der ausschlaggebende Punkt an dem Sie entschieden haben, sich aktiv für Suchtkranke und Menschen mit Depressionen einzusetzen?

Mandy Goldhammer: „Ich bin von Haus aus ein empathischer Mensch, habe ein gutes Gespür dafür, wie es anderen geht und möchte gern helfen. Als ich angefangen habe eigene Ideen für die Gruppenarbeit zu entwickeln und einzubringen, war für mich klar, dass ich mich ehrenamtlich für Betroffene einsetzen möchte.“

 

Welche Rolle spielt das Thema Verantwortung und wo liegen die Grenzen?

Mandy Goldhammer: „Wir sagen unseren Klientinnen und Klienten immer, dass wir ihnen gern die Türen zeigen können, die aus der Sucht herausführen. Durchgehen muss man aber allein. Wir können nur denjenigen helfen, die sich auch helfen lassen wollen.“

 

Was motiviert Sie besonders bei Ihrer Arbeit?

Mandy Goldhammer: „Die Dankbarkeit unserer Gruppenmitglieder und dass sie mich auch bei meiner Arbeit unterstützen. Diese Woche hat eine Teilnehmerin eines FSJ-Seminars zu mir gesagt: ‚Danke, dass Du Licht in diese Welt bringst.‘ Das hat mich sehr berührt.“

 

Schaut unsere Gesellschaft bei Alkoholsucht noch zu oft weg?

Mandy Goldhammer: „Kurz und knapp: Ja.“

 

Sie haben sich einem schwierigen Thema verschrieben. Wie wichtig sind Momente, um davon auch mal Abstand zu gewinnen?

Mandy Goldhammer: „Immer wieder auch Abstand zu gewinnen, ist ganz wichtig. Ich nehme mir gern eine Auszeit in der Natur – beim Waldspaziergang bleibt das Handy zu Hause. Außerdem hilft mir die Arbeit im heimischen Garten sehr dabei, von Dingen loszulassen und den Kopf frei zu bekommen.“

 

Was wäre Ihr Appell an unsere Gesellschaft?

Mandy Goldhammer: „Manchmal wäre es gut, wenn die Menschen bewusst weniger tun, nicht immer alles perfekt machen wollen und Fehler akzeptieren. Diese Freiräume sollten dafür genutzt werden, wieder empathischer miteinander umzugehen und ein Verständnis für schwächere Menschen zu entwickeln.“

 

 

Für ihr langjähriges und umfassendes Engagement in der Suchthilfe wurde Mandy Goldhammer mit dem „Ehrenamt des Monats März 2026“ ausgezeichnet. Sie erhielt von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

 

 

Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu

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