Ehrenamt des Monats: „Wenn Geschichten Flügel bekommen und Kreativität keine Grenzen kennt“

01. Juli 2026
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Ehrenamtliche Engagierte des Kathrinchen Zimtstern e. V. ausgezeichnet

Kathrinchen Zimtstern ist ein kleines Engelchen aus dem Erzgebirge und die Hauptfigur der gleichnamigen Adventskalenderbücher. Gemeinsam mit seinen Freunden erlebt es in den bisher erschienenen drei Bänden zahlreiche spannende Weihnachtsabenteuer. Dank seiner großen Fangemeinde und engagierter Enthusiasten mit einer gemeinsamen Vision, hat es auch in der realen Welt für Furore gesorgt und viel Gutes bewegt.

 

Ihren Zauber verdanken die Kathrinchen-Zimtstern-Geschichten von Autor Bastian Backstein ihrer engen Verbindung zur traditionellen erzgebirgischen Figurenwelt. Für die liebevollen Illustrationen von Gunter Springsguth standen echte Holzfiguren verschiedener erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller Pate. Im Umkehrschluss inspirierten einige Grafiken wiederum Kunsthandwerker dazu, die Figuren zum Buch aufzulegen.

 

2017 eroberte Kathrinchen Zimtstern erstmals die Bühne und feierte im gleichnamigen Theaterstück seine Premiere in Olbernhau. Weitere Künstler und Kreative wurden auf das Talent des kleinen Engelchens aufmerksam. Es wurde zum Musicalstar, ging auf Tournee durch das Erzgebirge und schaffte es bis in den Spielplan des Dresdner FriedrichstaTT Palastes.

 

Seit fast fünfzehn Jahren widmen sich ehrenamtlich Engagierte in Olbernhau verstärkt auch der ganzheitlichen Bildung von Kindern. Mit dem „Kathrinchen Zimtstern hilft“-Fond wurden viele kleine Aktionen und Vorhaben finanziert, die Kinder stark machen. Die Strahlkraft der Geschichten um das blondbezopfte kleine Mädchen und ihrer verschmitzten Spielgefährten bot die einmalige Chance, gemeinnützige Vorhaben zu initiieren und auszubauen. Im Sommer 2018 wurde der Verein „Kathrinchen Zimtstern e. V.“ gegründet. Mit dem Ziel kulturelle und handwerkliche Bildung von Kindern und Erwachsenen zu fördern, wurden Workshops, Lesungen, Mitmachangebote und Wettbewerbe initiiert sowie Ausstellungen und Konzerte organisiert.

 

Mittlerweile hat der Verein vier sogenannte „MitMachLäden“ im Stadtzentrum von Olbernhau etabliert, in denen Kinder werkeln und auf spielerische Weise handwerkliches Geschick erlangen – ob mit Papier, textilen Materialien, Lebensmitteln oder Holz. An drei Nachmittagen pro Woche offerieren die ehrenamtlich Engagierten des Vereins altersgerechte Angebote vorwiegend auf der Basis von Spenden.

 

Landrat Rico Anton zeigt sich beeindruckt von der Idee der „MitMachLäden“: „Mir ist kein anderes Konzept bekannt, dass auf so kreative Art und Weise die handwerkliche und künstlerische Bildung von Kindern fördert, dabei generationsübergreifend wirkt und als Anziehungspunkt für Kinder, Familien, Touristen und Tagesgäste zugleich zur Belebung der Innenstadt beiträgt. Dass es mittlerweile gelungen ist, in drei der Läden GTA-Angebote zu den Themen Backen, Nähen und Gestalten mit Holz zu etablieren, zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll ehrenamtliches Engagement für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist.“

 

Im Interview verrät uns der Vereinsvorsitzende Florian Drechsel, was die ehrenamtlich Engagierten antreibt.

 

Gab es einen Schlüsselmoment, an dem Sie realisiert haben, dass das Kathrinchen Zimtstern viel mehr kann, als in den Geschichten für Unterhaltung zu sorgen?

Florian Drechsel: „Als es darum ging, dass die Figuren ‚lebendig‘ werden sollten, haben wir in unserem Handwerksbetrieb versucht, dies zum Tag der offenen Tür umzusetzen. Die Erzieherin einer Tagesstätte für blinde Kinder hat viel dazu beigetragen, dass wir das Projekt nicht mehr nur aus der Perspektive als Kunsthandwerker verstanden haben. Sie hat uns sehr dabei geholfen, die Mitmachangebote für Kinder bzw. Laien herunterzubrechen und es auch Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen. Somit war auch der Inklusionsgedanke von Anfang an präsent.“

 

Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt, dass Kinder Zugang zu traditionellem Handwerk erhalten?

Florian Drechsel: „Das wäre der zweite Schritt vor dem ersten. In erster Linie geht es uns um ganzheitliche Bildung. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, in geschützten Räumen kreativ zu sein und ermutigt werden etwas mit ihren Händen zu erschaffen. Sie sollen sich frei entfalten, um dabei ihre Talente zu entdecken.“

 

Wie hat sich das Projekt in jüngerer Vergangenheit entwickelt?

Florian Drechsel: „Mit den vier ‚MitMachLäden‘ hat das Projekt mittlerweile enorme Ausmaße angenommen. Fast 30 ehrenamtlich Engagierte mit ganz unterschiedlichen handwerklichen Kompetenzen tragen dafür Sorge, dass wir jährlich für mehr als eintausend Kinder pädagogisch wertvolle Angebote realisieren können. Mittlerweile kommen Kinder aus den Kindergärten und den Schulen zu uns und wir realisieren Ganztagsangebote zum Backen, Nähen und Gestalten mit Holz. Darüber hinaus nehmen aber auch Erwachsene, Touristen und Tagesgäste unser Angebot gern wahr.“

 

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Florian Drechsel: „Es ist nicht immer leicht, für ein derart umfassendes Angebot ehrenamtlich Engagierte zu finden. Die Freiwilligen, die einmal zu uns gefunden haben, unterstützen uns seit vielen Jahren zuverlässig und regelmäßig, weil ihnen die Arbeit mit den Kindern am Herzen liegt. Zudem sind unsere Angebote fast ausnahmslos spendenfinanziert oder nur mit kleinen Unkostenbeiträgen verbunden. Somit stehen wir stets vor der Herausforderung Mittel einwerben zu müssen.“

 

Was passiert außerhalb der Läden?

Florian Drechsel: „Wir bringen uns als Verein aktiv bei kulturellen Veranstaltungen ein, zu Feuerwehrjubiläen oder beim Saigerhüttenfest beispielsweise bieten wir Kinderschminken an, sind mit handwerklichen Angeboten vor Ort und passen diese auch thematisch an den Anlass an.“

 

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Florian Drechsel: „Es ist mein Herzenswunsch, mit unserem Verein so viele wie möglich zu erreichen und gemeinsam etwas zu schaffen, das von Dauer ist. Unser Ziel ist es, nicht nur heute, sondern auch in Zukunft neue Menschen zu begeistern. Dabei heißen wir jeden willkommen, der Freude am gemeinsamen Tun hat – ganz gleich, ob mit oder ohne Handicap. Wir freuen uns besonders auf die weitere Kooperation mit der Lebenshilfe Olbernhau, deren Klienten nicht nur als Gäste zu uns kommen, sondern auch mit ihrem Wissen zur Integration weiterhelfen. Letztlich gilt: Bei uns zählt jeder, der Lust hat, mitzumachen und/oder mitzuhelfen.“

 

Was macht Sie mit Blick auf die Arbeit der ehrenamtlich Engagierten des Kathrinchen Zimtstern e. V. besonders stolz?

Florian Drechsel: „Dass wir etwas geschafft haben, was in Sachsen, wenn nicht sogar bundesweit einmalig ist. Immer wieder kommen auch City-Manager aus anderen Städten nach Olbernhau, um sich das Konzept vor Ort anzuschauen, weil sie versuchen wollen in ihrer Stadt ein ähnliches Projekt aufzubauen.“

 

Für ihr langjähriges und umfassendes Engagement in der Bildung, der Kulturarbeit sowie der Heimat- und Brauchtumspflege wurden die ehrenamtlich Engagierten des Kathrinchen Zimtstern e. V. mit dem „Ehrenamt des Monats Juni 2026“ ausgezeichnet. Sie erhielten von der Fachstelle Ehrenamt des Erzgebirgskreises eine Urkunde, die erzgebirgische Holzfigur „HelD“ (Helfen und Danken) sowie eine Einladung zum Großen Regionalpreis des Erzgebirgskreises ERZgeBÜRGER.

 

 

Quelle: Fachstelle Ehrenamt / wu

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