Kultur im Erzgebirgskreis: Deutlicher Appell und starke Bilder
Zur Aufzeichnung des Pressegesprächs
Mit einem eindringlichen kulturpolitischen Signal hat der Erzgebirgskreis am 6. Mai 2026 an die Debatte aus dem Vorjahr angeknüpft. Bereits 2025 hatte der Landkreis unter dem Motto „Unser (H)ERZ schlägt für Kultur!“ vor Einschnitten in die „Kulturlandschaft“ der Region gewarnt. Nun wurde das Thema erneut behandelt – insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit laufenden Verhandlungen zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/28. Thema diesmal: Droht der Region ein „kultureller (H)ERZ-Stillstand“?
Zum Pressegespräch im Eduard-von-Winterstein-Theater zu Annaberg-Buchholz begrüßten Landrat Rico Anton und die Beigeordnete Anke Hamann zahlreiche Medienvertreter. Ebenfalls mit zugegen waren der geschäftsführende Intendant der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH (ETO), Moritz Gogg, die Betriebsleiterin des Kulturellen Bildungsbetriebes des Erzgebirgskreises (KBB), Susanne Schmidt, und der kommissarische Betriebsleiter des Kul(T)our-Betriebes des Erzgebirgskreises (KTB), Sven Neubert. Auch Sie standen den Medienvertretern Rede und Antwort.
Kultur zum Auftakt erlebbar gemacht
Bereits vor Beginn des offiziellen Medientermins wurde die kulturelle Vielfalt der Region sichtbar. Junge Talente und Kulturschaffende gestalteten ein abwechslungsreiches Vorprogramm – von musikalischen Beiträgen über Preisträgerinnen und Preisträger verschiedener Wettbewerbe wie „Trau dich“ und „Jugend musiziert“ bis hin zu einem Einblick in die derzeit laufenden „Schultheatertage“ im Eduard-von-Winterstein-Theater. Gerade die „Schultheatertage“ erfreuen sich auch bei ihrer inzwischen 20. Auflage mit mehr als 150 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern aus neun Schulen im Landkreis wieder großer Beliebtheit. Damit wurde anschaulich vermittelt, was auf dem Spiel steht: eine lebendige und breit aufgestellte Kulturlandschaft im Erzgebirge.
Aufruf an den Freistaat Sachsen
Im Zentrum der Veranstaltung stand erneut ein politischer Aufruf, der im Nachgang des Medientermins u. a. an die sächsische Staatsregierung und die Abgeordneten des Landtages verschickt werden soll. Landrat Anton machte deutlich, dass Kultur gerade in Zeiten von Strukturwandel, demografischer Entwicklung und wirtschaftlichem Druck eine tragende Rolle für Identität, Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt spiele.
Mit Blick auf die derzeit laufenden Verhandlungen zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/2028 forderte der Erzgebirgskreis vom Freistaat Sachsen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen für die Kulturfinanzierung. Konkret ging es um den Erhalt des bisherigen Finanzierungsniveaus für Kulturräume und Theater, eine stärkere Unterstützung bei dringend notwendigen Investitionen in die kulturelle Infrastruktur sowie eine dauerhafte Absicherung der kulturellen Bildung.
Zugleich wurde auf strukturellen Handlungsbedarf hingewiesen: Die geplante Weiterentwicklung des Kulturraumgesetzes müsse stärker die Bedürfnisse des ländlichen Raumes berücksichtigen, bürokratische Hürden abbauen und eine ausgewogenere Mittelverteilung ermöglichen. Der Tenor des Aufrufs war klar: Ohne diese Weichenstellungen drohten Angebotskürzungen, ein wachsender Investitionsstau und im schlimmsten Fall der Verlust kultureller Einrichtungen.
Ein Blick auf Projekte und Perspektiven
Neben der politischen Einordnung bot das Pressegespräch einen umfassenden Überblick über die Arbeit der Kulturbetriebe. Moritz Gogg stellte als geschäftsführender Intendant der ETO künstlerische Höhepunkte und geplante Produktionen vor, während Sven Neubert als kommissarischer Betriebsleiter des KTB unter anderem Investitionen in die Infrastruktur und besondere Projekte thematisierte. Susanne Schmidt, Betriebsleiterin des KBB, hob wiederum die Bedeutung kultureller Bildung hervor – von Wettbewerbserfolgen junger Musikerinnen und Musiker bis hin zu neuen Angeboten für Schulen und frühkindliche Förderung.
Ein besonderer Moment war die Premiere eines Kurzfilms zur Kultur im Erzgebirgskreis. Dieser Clip zeigte beispielhaft die Vielfalt und Lebendigkeit der Kulturszene, bevor er bewusst in ruhigere, reduzierte Bilder überging und schließlich in einem symbolischen Stillstand endete. Diese bewusste Inszenierung griff nochmal den Titel vom drohenden „kulturellen (H)ERZ-Stillstand“ und damit die zentrale Botschaft des Termins auf.
Hintergrund: Die Kulturbetriebe des Erzgebirgskreises
Die kulturelle Infrastruktur des Erzgebirgskreises wird maßgeblich durch drei Einrichtungen getragen, die unterschiedliche Schwerpunkte abdecken und gemeinsam ein breites kulturelles Angebot sichern:
Die Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH (ETO) ist das zentrale Mehrspartentheater der Region mit Sitz im Eduard-von-Winterstein-Theater. Zum Verbund gehören zudem die Naturbühne Greifensteine als bedeutende Open-Air-Spielstätte sowie die Erzgebirgische Philharmonie Aue. Die ETO vereint Musiktheater, Schauspiel, Konzertwesen und Vermittlungsangebote und prägt damit das kulturelle Leben der Region maßgeblich.
Der kul(T)our-Betrieb des Erzgebirgskreises (KTB) verantwortet ein breites Spektrum an kulturellen Einrichtungen und Angeboten im Landkreis. Dazu zählen unter anderem Museen, Besucherbergwerke und kulturelle Veranstaltungsorte. Ziel ist es, das kulturelle Erbe des Erzgebirges zu bewahren, erlebbar zu machen und mit zeitgemäßen Formaten weiterzuentwickeln.
Der Kultureller Bildungsbetrieb Erzgebirgskreis (KBB) bündelt die Angebote der kulturellen Bildung. Dazu gehören insbesondere die Kreismusikschule sowie medienpädagogische und kulturelle Vermittlungsangebote, etwa über das Medienpädagogische Zentrum. Der Fokus liegt auf der Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie auf der Stärkung kultureller Teilhabe im gesamten Landkreis.
Gemeinsam sichern die drei Kulturbetriebe die kulturelle Vielfalt im Erzgebirgskreis – von künstlerischer Produktion über kulturelles Erbe bis hin zu Bildung und Nachwuchsförderung.
PM/SP
