Landrat besuchte engagierte Jugendclubs im Erzgebirgskreis
Erst vor wenigen Wochen sorgten die neuesten Bevölkerungsprognosen für Sachsen und den Erzgebirgskreis für Schlagzeilen. Die Zahlen zeigen deutlich: Der demografische Wandel stellt unsere Region vor große Herausforderungen. Sinkende Geburtenzahlen und die Abwanderung junger Menschen führen dazu, dass die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner langfristig weiter zurückgeht. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen Perspektiven zu bieten und sie aktiv in die Gestaltung ihrer Heimat einzubeziehen.
Denn die Zukunft des Erzgebirgskreises entscheidet sich nicht allein in Statistiken. Sie entscheidet sich vor allem dort, wo junge Menschen Verantwortung übernehmen, Ideen entwickeln und ihr Lebensumfeld selbst mitgestalten. Dafür brauchen sie Freiräume, Treffpunkte und Möglichkeiten zur Beteiligung. Kurzum: Orte, an denen Gemeinschaft entsteht, Freundschaften wachsen und Jugendliche eigene Erfahrungen sammeln können.
Wie beeindruckend dieses Engagement aussehen kann, davon überzeugte sich Landrat Rico Anton am vergangenen Samstag bei zwei Besuchen engagierter Jugendgruppen im Erzgebirgskreis.
48 Stunden für die Heimat: Jugendliche setzen eigene Ideen um
Unter dem Motto „48 Stunden – Eure Idee – Euer Projekt – Eure Region“ beteiligte sich der Kreisjugendring Erzgebirge e. V. erstmals an der sachsenweiten 48-Stunden-Aktion. Vom 29. bis 31. Mai 2026 verwirklichten Jugendgruppen im gesamten Freistaat eigenständig gemeinnützige Projekte und setzten damit ein sichtbares Zeichen für gesellschaftliches Engagement.
Landkreisweit beteiligten sich rund 15 Projekte an der Aktion. Die Bandbreite reichte von Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen über Renovierungsarbeiten bis hin zu sozialen und kulturellen Vorhaben. So wurden unter anderem Bushaltestellen gereinigt, Benjeshecken angelegt, Graffiti-Projekte umgesetzt, Kleidertauschbörsen organisiert oder neue Sitzecken geschaffen.
Als Anerkennung für dieses ehrenamtliche Engagement unterstützte der Erzgebirgskreis alle teilnehmenden Gruppen mit einer Präsenttüte, bestehend aus einem Einkaufsgutschein sowie kleinen Snacks für ein gemeinsames Beisammensein.
Jugendclub Pfaffenhain gestaltet Treffpunkt selbst
Eine Station des Landrates führte zum Jugendclub Pfaffenhain in Jahnsdorf. Rund 15 Jugendliche beteiligten sich dort an der 48-Stunden-Aktion und bauten gemeinsam neue Palettenmöbel mit Rollen für ihren Jugendclub. Die selbst gefertigten Sitzgelegenheiten bleiben dauerhaft vor Ort und verbessern die Nutzungsmöglichkeiten des Treffpunkts nachhaltig.
Besonders bemerkenswert: Nach Angaben der Organisatoren handelt es sich um das einzige Projekt der diesjährigen 48-Stunden-Aktion im Erzgebirgskreis, das vollständig von Jugendlichen selbst geplant und umgesetzt wurde. Gleichzeitig erlebt der Jugendclub derzeit einen Neustart durch eine neue Generation engagierter junger Menschen. Die Jugendlichen bereiten aktuell sogar die Gründung eines eigenen Vereins vor und übernehmen damit Verantwortung für ihren Treffpunkt und dessen Zukunft.
Landrat Rico Anton nutzte die Gelegenheit, den Jugendlichen persönlich für ihren Einsatz zu danken. Gemeinsam mit den Projektverantwortlichen übergab er die Präsenttüte des Erzgebirgskreises als Zeichen der Anerkennung ihres ehrenamtlichen Engagements.
Aus einer Idee wird ein neuer Jugendtreff: Jugendclub am Weberteich eröffnet
Im Anschluss besuchte Landrat Rico Anton die feierliche Eröffnung des „Jugendclubs am Weberteich“ im Ortsteil Schönfeld der Gemeinde Thermalbad-Wiesenbad.
Was hier entstanden ist, kann als echtes Vorzeigeprojekt für Jugendbeteiligung im ländlichen Raum gelten. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren verwandelten engagierte Jugendliche das ehemalige Schnitzerheim am Weberteich in Eigenregie in einen modernen Treffpunkt für junge Menschen. Zahlreiche Arbeitsstunden, viel Eigeninitiative und ein bemerkenswerter Durchhaltewille machten die Umsetzung möglich.
Die Jugendlichen beschränkten sich dabei nicht nur auf handwerkliche Arbeiten. Sie beschäftigten sich ebenso mit Fördermöglichkeiten, warben Spenden ein, knüpften Kontakte zu Unternehmen und Institutionen und sammelten wertvolle Erfahrungen in Projektorganisation und Teamarbeit. Dabei lernten sie Fähigkeiten, die weit über das eigentliche Bauprojekt hinausgehen und sie auch für ihren weiteren Lebensweg prägen werden.
Ein besonderer Anteil an diesem Erfolg gebührt Initiator Max Makeroth. Er brachte die ursprüngliche Idee ein, koordinierte die zahlreichen Abstimmungen mit der Gemeinde, sprach unzählige potenzielle Unterstützer an und begleitete das Projekt von der ersten Vision bis zur Eröffnung. Sein Leitsatz dabei: „Mehr als Nein sagen können sie nicht.“
Die Vision hinter dem Projekt war von Anfang an klar: Es sollte ein Ort entstehen, an dem sich Jugendliche unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht begegnen, austauschen und gemeinsam aktiv werden können. Bereits seit Sommer 2024 engagierten sich rund 28 Jugendliche regelmäßig in Arbeitseinsätzen für den Umbau des Gebäudes. Ziel ist es, den Jugendclub langfristig als festen Treffpunkt im Ort zu etablieren und künftig weitere generationsübergreifende Projekte auf den Weg zu bringen.
Auch der Erzgebirgskreis unterstützte dieses Vorhaben. Über das Kommunale Bürgerbudget 2025 wurden 2.000 Euro für den weiteren Ausbau des Jugendclubs bereitgestellt. Die Fördermittel halfen dabei, notwendige Materialien für den Innenausbau zu beschaffen und das Projekt entscheidend voranzubringen.
In seinem Grußwort zeigte sich Landrat Rico Anton beeindruckt vom Erreichten: Auch wenn der Jugendclub nun offiziell eröffnet sei, würden den Jugendlichen sicherlich noch viele Ideen einfallen, wie sie ihren Treffpunkt künftig weiterentwickeln und gestalten können. Für diese Vorhaben stiftete der Erzgebirgskreis 500 Euro.
Räume schaffen, Verantwortung ermöglichen
Die Beispiele aus Pfaffenhain und Schönfeld zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in jungen Menschen steckt, wenn ihnen Vertrauen entgegengebracht wird und sie die Möglichkeit erhalten, eigene Ideen umzusetzen. Wo Jugendliche Räume erhalten, sich auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas zu bewegen, entstehen nicht nur neue Treffpunkte, sondern auch Gemeinschaft, Identifikation mit der Heimat und gelebtes Ehrenamt.
Genau diesen Ansatz verfolgt der Erzgebirgskreis auch mit der geplanten „Jugend-Kultur-Schmiede ERZ“ sowie dem Aufbau eines Jugendkreistages. Ziel ist es, Jugendlichen künftig eigene Budgets und Mitgestaltungsmöglichkeiten für jugendkulturelle Projekte zur Verfügung zu stellen und sie aktiv an Entscheidungen zu beteiligen.
Weitere Informationen zur Jugend-Kultur-Schmiede ERZ finden Sie unter: Jugend-Kultur-Schmiede ERZ – Ehrenamt im Erzgebirge
Der weitere Projektverlauf wird in Kürze bekannt gegeben.
02.06.2026 I EG










