Landratsamt empfängt Menschen mit Handicap
Am 25. September 2025 fand wieder der bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. (BAG WfbM), der im Jahr 2017 ins Leben gerufen wurde, statt. Das Landratsamt Erzgebirgskreis beteiligt sich seit dem Jahr 2024 an der Aktion und kooperiert diesmal mit den Werkstätten in Annaberg-Buchholz und in Stollberg.
Nachdem Landrat Rico Anton im letzten Jahr die Schirmherrschaft zum Aktionstag für die Lebenshilfe Annaberg e. V. in Annaberg-Buchholz übernommen hatte, freuen wir uns als Landkreisverwaltung, dass uns dies in diesem Jahr für die Lebenshilfe Stollberg gelungen ist. Dieses Jahr konnten auch erstmalig Plätze im Landratsamt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätten zur Verfügung gestellt werden
so Anke Hamann zu Beginn der Feedbackrunde bei der Lebenshilfe Stollberg gGmbH in Stollberg.
Beschäftigte der Lebenshilfe Stollberg werteten vor Ort gemeinsam mit weiteren Beteiligten den diesjährigen Aktionstag aus. Anke Hamann tauschte sich in diesem Rahmen direkt mit Kevin Schmeißer über seine Eindrücke aus, welcher am Morgen im Kultur- und Freizeitzentrum Lugau, einer Einrichtung des Eigenbetriebs kul(T)our, begrüßt werden konnte. Vor Ort wurden Kevin Schmeißer Einblicke in den Arbeitsalltag im Kulturbereich ermöglicht und unterschiedliche Aufgaben gemeinsam mit den Angestellten des Kultur- und Freizeitzentrums bewältigt. Ihm hat der Tag in Lugau große Freude bereitet und seinerseits ist auch ein Praktikum vor Ort vorstellbar. „Mit dem Schichtwechsel werden neue Perspektiven – nicht nur für Menschen mit Handicap, sondern auch für die Kolleginnen und Kollegen in den Unternehmen und Verwaltungen eröffnet. Schichtwechsel bedeutet auch „Sichtwechsel“, denn es wird nicht nur ein Arbeitsplatz getauscht, sondern auch der Blickwinkel. Ich selbst bin überzeugt, dass die größte Hürde für eine gelingende Inklusion nicht das Handicap der betroffenen Menschen darstellt, sondern das Unwissen und die Berührungsängste derer, die kein Handicap haben. Diese Hürden können wir nur abbauen, wenn wir uns begegnen, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen, wenn wir einander kennenlernen. Genau das schafft der Aktionstag Schichtwechsel – er bringt Menschen zusammen", so Anke Hamann im Rahmen der Feedbackrunde.
Neben dem Standort Stollberg, konnte auch am Hauptdienstsitz der Landkreisverwaltung, der Paulus-Jenisius-Straße 24 in Annaberg-Buchholz, ein weiterer „Schichtwechsel“ organisiert und einem Beschäftigten der Lebenshilfe Annaberg e. V. die Arbeit in der Poststelle nähergebracht werden . Der 1. Beigeordnete und Inklusionsbeauftragte des Landkreises, Peter Leichsenring, nahm Jan Schuffenhauer persönlich in Empfang. „Der Aktionstag ist eine ganz tolle Möglichkeit, Menschen mit Handicap Einblicke in andere Tätigkeitsbereiche zu gewähren.“ stellte der Beigeordnete fest.
Der Schichtwechsel ist keine Einbahnstraße. Ich kann mir sehr gut vorstellen, in den kommenden Jahren z. B. in einem Bereich der Lebenshilfe zu arbeiten. Als Inklusionsbeauftragter ist das nicht nur der Perspektivwechsel, sondern vor allem ein Zeichen der Wertschätzung der Leistungen und Erfolge der Selbsthilfevereine wie der Lebenshilfe
so Peter Leichsenring weiter.
Die Lebenshilfe Annaberg e. V. beteiligt sich seit 2019 an der Aktion und konnte 32 Beschäftigte mit Handicap bei Unternehmen der Region unterbringen. Im Gegenzug konnten 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 15 beteiligten Partner Einblicke in die Werkstatt erhalten. Als Schirmherrin konnte die Annaberger Werkstatt in diesem Jahr Dr. Peggy Kreller, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, gewonnen werden.
Bei allen Bemühungen, dem Fachkräftemangel unserer Unternehmen durch gute Angebote der Berufsorientierung, Zuwandererkampagnen und Dienstleistungen unseres Welcome Centers entgegenzuwirken, so gibt es doch eine Gruppe, die bei möglichen Potenzialen übersehen wird. Umso mehr freue ich mich, dass mit dem „Schichtwechsel“ zumindest einmal im Jahr das Augenmerk auf Menschen mit Handicap gelegt wird, die in jedem Team eine Bereicherung sein können
so Dr. Peggy Kreller in Hinblick auf den diesjährigen Aktionstag.
Erst in dieser Woche fand in Chemnitz der von der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen organisierte Fachkongress „Potential trifft Chance“ statt. Dort haben Expertinnen und Experten, Unternehmen und Sozialdienstleister über neue Wege diskutiert, wie Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben können. "Zwei starke Zeichen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden", so Beigeordnete Hamann.
Weitere Informationen zum Aktionstag finden Sie hier.
Werkstätten für Behinderte spielen eine bedeutende Rolle im Erzgebirgskreis. Sie bieten Menschen mit Behinderungen nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch eine Vielzahl von Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten. Diese Einrichtungen ermöglichen es den Betroffenen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Werkstätten bieten Arbeitsplätze für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Sie hat aber gleichzeitig den Auftrag die Menschen mit Behinderung für den allgemeinen Arbeitsmarkt stark zu machen und hier zu fördern. Viele Werkstätten haben diesbezüglich auch Außenarbeitsplätze und konnten hier auch schon Werkstattbeschäftige in ein Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterbringen. Zusätzlich bieten die Lebenshilfe-Einrichtungen auch Wohnmöglichkeiten, Bildungsangebote und Freizeitaktivitäten an, um eine ganzheitliche Unterstützung zu gewährleisten.
Über die Arbeit der Senioren- und Behindertenbeauftragten im Erzgebirgskreis, Sindy Seidel, können Sie sich hier informieren.


